The tradition & historical record
3 min read · 2 sourcesAls Balla d’oro wurde ein Ritual im Venedig des 14. bis 18. Jahrhunderts bezeichnet, bei dem jeder fünfte der mindestens achtzehnjährigen adligen Männer in einem Losverfahren den Zugang zum Großen Rat erhalten konnte, ein Zugang, der normalerweise erst ab dem 25. Geburtstag möglich war. Er erfolgte durch dieses Ritual früher, allerdings frühestens im Alter von 20 Jahren. Die Namen der Zugänge in das Zentralgremium wurden in eigens dazu zusammengestellten Büchern registriert, die wiederum von den Avogadori di Comun geführt wurden. Ein Gesetz aus dem Jahr 1414 hatte dieses Ritual in seinen Einzelbestimmungen fixiert. Ein solches Ritual bestand seit 1319. 1
Rituale, Ausschlüsse, gesellschaftliche Bedeutung
Jedes Jahr am 4. Dezember, dem Tag der hl. Barbara – daher wurde das Ritual auch Barbarella genannt – versammelten sich die von ihren Vätern oder nahen Verwandten vorgestellten jungen Kandidaten im Dogenpalast, genauer gesagt in der ansonsten nur dem Dogen und dem Kleinen Rat vorbehaltenen Saal, der Sala del Collegio. Dabei war die Anwesenheit des Dogen in einem so feierlichen Zeremoniell von größter Bedeutung für die Einführung in die dominierende, weitgehend abgeschlossene Klasse des venezianischen Patriziats. 1376 wurden illegitime Kinder von Adligen auch dann ausgeschlossen, wenn sie durch eine nachfolgende Ehe legitimiert worden waren. Nur junge Männer aus diesen Familien konnten mit 25 Jahren in den Großen Rat eintreten. Die Balla d’oro ermöglichte es ihnen, bereits im Alter von 20 statt 25 Jahren im größten Gremium, gleichsam der Generalversammlung des erwachsenen, männlichen Adels, zu erscheinen und darin in eine der staatlichen Funktionen gewählt zu werden. Dieser vorgezogene Zugang zum wichtigsten Gremium Venedigs verlangte allerdings ein mehrstufiges Ritual, das Analogien zur Wahl des Dogen aufwies. Nachdem zuvor ihr Alter und ihre legitime patrizische Geburt von den Avogadori di Comun geprüft worden waren, wurden ihre Namen in der Sala del Collegio auf Zettel geschrieben und diese in eine Urne gelegt, capello genannt. In eine andere Urne wurde eine ebenso große Zahl von Kugeln gelegt. Davon war nur jede fünfte vergoldet. Während der Doge persönlich einen Zettel nach dem anderen aus dem capello zog und die Namen verlas, entnahm ein Junge, ballottino genannt, jeweils eine Kugel, eine ballota. Diejenigen jungen Männer, bei deren Namen eine goldene Kugel gezogen wurde, durften in den Großen Rat einziehen.