The tradition & historical record
4 min read · 2 sourcesDas Chlausjagen (auch Klausjagen) ist ein Winterbrauch, der jeweils Anfang Dezember stattfindet. Nachdem er früher im ganzen Seetal anzutreffen war, wird er heute nur noch in Hallwil ausgeübt. 1
Inhalt
Das Hallwiler Chlausjage wird von sechs maskierten, schellenbehangenen Knaben zwischen 13 und 14 Jahren ausgeführt (seit einigen Jahren sind es 14- und 15-Jährige). Die Chlausen ziehen am Chlausabend von Haus zu Haus, um eine Gabe einzuheimsen sowie Nüsse und Rute zu verteilen. 1
Figuren des Brauchs
Die Chlausen (Kläuse) bestehen aus sechs Maskenfiguren. Sie müssen die Kunst des Chlauschlöpfens beherrschen. Der älteste Chlaus ist Chef der Chlaushorde. Er wird in seiner Tätigkeit von zwei Mitgliedern der Brauchtumskommission der Gemeinde Hallwil überwacht. Larven (Masken) und Kostüme, welche der Kommission gehören, werden einige Wochen vorher im Gemeindehaus abgeholt. Zur Maskengesellschaft gehören 1
der weissgekleidete «Herr» mit einer Krone auf dem Haupt die ebenfalls in unschuldigem Weiss auftretende «Jumpfere» (Jungfrau) der trottelige «Joggeli» (Verballhornung von «Jakob, Jakobli») in Knechtentracht der «Wächter» als Ordnungshüter in Polizeiuniform der «Möörech» (Moor, 'Schwarzer') erscheint ganz in traurigem Schwarz der «Root» (Roter) in dämonischem, rotem Gewand. Jeder Chlaus trägt eine sein Wesen charakterisierende Larve, ist mit einem Rossstäuber (an einen Stecken genieteter Pferdeschwanz) ausgerüstet und trägt um die Brust gehängt vier bis fünf Pferdegeschelle (Gurte, bestückt mit Glocken und/oder Schellen). Einer unter ihnen waltet als Kassierer (de Möörech). Der Wächter ist mit Säbel, Horn und einem Tornister (zurzeit ein alter Militärrucksack) voller Ruten, die Jompfere mit einem Sack voll mit Mandarinen, Äpfeln, Lebkuchen und Nüssen ausgestattet. 1
Ablauf des Brauchs
Bei Einbruch der Dunkelheit beginnen die Chlausen ihren rasselnden Lauf durch das Dorf. Vor jedem Haus kündigt der Wächter die Ankunft der Chlausen mit einem Hornsignal an, um die Bewohner aus dem Haus zu locken. Unter der Türschwelle hüpfen die Chlausen, einen Höllenlärm veranstaltend, unermüdlich auf und ab und traktieren die Leute mit den Rossstäubern; dies solange, bis sich die Opfer erweichen und einen Obolus springen lassen. Dann nämlich erhalten die Spender von den beiden Weissen eine Handvoll Süsses, die unartigen Kindern zudem eine Rute. Chlauschlöpfer treffen sich gegen sieben Uhr abends auf dem Bahnhofplatz und klöpfen zum letzten Mal in diesem Jahr. Die Brauchtumskommission lädt diese anschliessend zu einem Imbiss in die Dorbeiz (Dorfrestaurant). Wenn die Chlausen ihren rund fünfstündigen Rundgang beendigt haben, treffen sie sich beim Anführer zu einem Nachtessen. Hier wird die gemachte Beute gezählt. Ein festgelegter Betrag wandert in die Brauchtumskasse, den Rest verteilen sie unter sich. 1
Geschichte
Das Hallwiler Chlausjage ist in einem Verbot 1828 zum ersten Mal bezeugt. Früher tauchte am Chlausabend an einigen Orten die „Sträggele“ (vgl. englisch «straggler» 'Nachzügler') als Vorbotin der Chlausen auf. In Lumpen gekleidet und mit einer zerlöcherten Pfanne auf dem Kopf, erschien die garstige Hexe in den Stuben. Sie drohte lautlos, freche Kinder und faule Spinnerinnen im Sack mitzunehmen. Kaum war sie aufgetaucht, verschwand die hässliche Alte wieder in der Dunkelheit. Trotz all dieser furchterregenden Gestalten dachten die Bauernkinder, obwohl sie keinen Samichlaus kannten, an den «Chlausesel» (Nikolaus-Esel), der angeblich draussen mit dem Karren wartete, und legten ihm vor der Scheune ein Bündel Heu bereit. Die sechs Hallwiler Chlausen wurden von einem Geheimbund gestellt, dem Knaben der 6., 7., oder 8. Klasse beitreten konnten. Neulinge mussten einen Eintrittsbeitrag von einem Franken leisten, die Ältesten kassierten das Geld und den Gewinn aus den Hausbesuchen. Die in jenem Jahr bereits Ausgetretenen dienten als Beschützer, die mit den Chlausen mitgingen und für Ordnung sorgten, indem einer das Horn zur Sammlung blies, ein anderer als Kassier waltete. Zur ursprünglichen Chlausgesellschaft gehörten schon damals Herr, Dame, Joggeli, Wächter, Schwarzer (Alter) und Roter. Einweg-Papierlarven wurden verwendet. «Waren kleine Kinder da, betraten nur Herr und Dame die Stube. Hegten die Kläuse Zweifel in das gute Verhalten der Kinder, so traten neben den zweien auch noch Wächter und Joggeli auf. Für die hartnäckigsten Sünder und Tunichtgute aber traten zu den genannten auch noch die gefürchtetsten Kläuse auf, der Rote und der Schwarze. 1
Literatur
Atlas der schweizerischen Volkskunde, Karte 196 sowie Kommentar Teil II, Seite 266 f. Hrsg. von der Schweizerischen Gesellschaft für Volkskunde. Basel 1962. Schweizerisches Idiotikon. Band III. Huber, Frauenfeld 1885, Spalte 688 f. (Artikel Chlaus, Bedeutung 3b). 1
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