The tradition & historical record
4 min read · 2 sourcesDie Geißbocktradition zwischen den Städten Lambrecht und Deidesheim geht auf ein mittelalterliches Weiderecht zurück, das Deidesheim dem benachbarten Lambrecht (beide Landkreis Bad Dürkheim, Rheinland-Pfalz) gewährte. Als Gegenleistung musste der jüngste Lambrechter Bürger alljährlich am Dienstag nach Pfingsten einen Geißbock in Deidesheim abliefern. Erstmals urkundlich erwähnt wurde ein Geißbock als Entgelt für die Weiderechte 1534; mindestens seit damals wird – von Unterbrechungen in Kriegszeiten abgesehen – ein solcher in Deidesheim abgeliefert. Über Jahrhunderte hinweg war die Übergabe ein formaler Akt zur Erfüllung einer vertraglichen Pflicht. Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts entwickelten sich aus der ehemals ernsten Abmachung mehrere Festivitäten mit hoher zivilgesellschaftlicher Partizipation, die in beiden Städten stattfinden. Der Höhepunkt ist die Geißbockversteigerung, bei welcher der Geißbock schließlich an den Meistbietenden verkauft wird. Die Geißbocktradition wurde 2025 in das Bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen. 1
Geographie
In der Umgegend von Lambrecht und Deidesheim gibt es weitere Orte, bei denen die Abgeltung von Weiderechten mit brauchtümlichen Handlungen bekannt ist, die auf einen gerechten wirtschaftlichen Ausgleich bedacht und rechtsverbindlich waren: Der Käskönig von Dürkheim, der „Weiberbraten“ von Berghausen, die Käselieferungen in Enkenbach und die der Gommersheimer an die Harthausener, die Ablieferung von Milchsuppe und Eierfladen in Herxheim am Berg sowie das Heimat- und Karpfenfest in Otterstadt, das auf die Abgabe eines Karpfens an die Schifferstädter zurückgeht. 1
Geschichte
Seit dem hohen Mittelalter hatte Deidesheim einen ausgedehnten Waldbesitz, der bis an das Kloster St. Lambrecht heranreichte. Einen Teil ihres eigenen Waldbesitzes veräußerten die Dominikanerinnen des Klosters an Deidesheim. Wann genau dies geschah, ist unbekannt; möglicherweise um 1350, als sie Geld für den Bau der Klosterkirche aufbringen mussten. Wahrscheinlich gewährte Deidesheim aus diesem Anlass ein Weiderecht für Großvieh zugunsten der Klostergemeinde St. Lambrecht. Im Jahr 1404 bestätigte König Ruprecht den Dominikanerinnen das Recht, Großvieh im Deidesheimer Wald weiden zu lassen. Die erste urkundliche Erwähnung eines Geißbocks als Gegenleistung für das Weiderecht stammt aus dem Jahr 1534; die Stadt Deidesheim beschwerte sich bei ihrem Stadtherrn, dem Speyerer Fürstbischof Philipp von Flersheim, dass die Lambrechter auch ihre Schweine in den Wald trieben, obwohl das Weiderecht nur für Großvieh galt. Den ältesten Hinweis auf den Geißbock findet man – indirekt – in einer Auflistung Lambrechter Gerechtsame aus dem Jahr 1685, in der es heißt: 1
Der Passus bene cornutus et bene capabilis (lat. für gut gehörnt und wohl gebeutelt) ist wohl der Originalurkunde entnommen, die heute nicht mehr auffindbar ist. Sie wurde wahrscheinlich spätestens in der Mitte des 14. Jahrhunderts verfasst, denn später setzte sich die deutsche Sprache in weltlichen Urkunden durch. Ein ähnliches Abkommen wie mit Lambrecht hatte Deidesheim mit den Ortschaften Neustadt, Haardt und Gimmeldingen getroffen: Zur Abgeltung ihrer Weiderechte mussten diese Orte dem Rat von Deidesheim alljährlich einen Imbiss geben. 1
Heimatfest mit Geißbock-Übergabe
Am Pfingstsonntag feiert die Stadt Lambrecht ein Heimatfest auf dem Schulhof der Grundschule, bei dem ein Theaterstück einheimischer Autoren aufgeführt wird. Danach wird der Geißbock mitsamt einem Geleitbrief an das zuletzt in Lambrecht getraute Ehepaar übergeben, das den Geißbock am darauffolgenden Dienstag nach Deidesheim bringen wird. Ebenfalls zum Programm gehört die Jubiläums-Ehrung von Brautpaaren, die bereits früher einen Tributbock nach Deidesheim geführt haben. 1
Geißbockfestspiel
Das Geißbockfestspiel mit bis zu 120 Schauspielern wird im Fünf-Jahres-Turnus auf einer Freiluftbühne in Lambrecht aufgeführt. Das Stück aus dem Jahr 1933 stammt aus der Feder von Ernst Schäfer, einem Dramaturg am Saarpfälzischen Landestheater, der damals in Lambrecht wohnte. Es wurde 1934 erstmals im Bärental aufgeführt, damals mit professionellen Schauspielern des Landestheaters. Heute besitzt der Lambrechter Verkehrsverein die Aufführungsrechte; der Aufführungsort wurde mittlerweile in die Stadt verlegt und das Stück in acht Bildern von Laiendarstellern aufgeführt. Die letzte Aufführung war 2023. 1
Geißbockversteigerung
Die Geißbockversteigerung findes jedes Jahr am Pfingstdienstag in Deidesheim statt. Zum Programm gehört der Geißbockmarsch, der vom Lambrechter Verkehrsverein organisiert wird, die Übergabe des Geißbocks der Lambrechter an die Deidesheimer und Verlesen des Geleitbriefs, ein Historienspiel und folkloristische Einlagen. Am Abend wird der Geißbock öffentlich ausgeboten und an den Meistbietenden versteigert. 1
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Geißbocktradition zwischen den Städten Lambrecht und Deidesheim is recorded in open cultural data. The structured record cited below does not describe the practice, and this entry has not yet been reviewed by a person familiar with the tradition. 2