The tradition & historical record
3 min read · 2 sourcesDie Volksmusik in den Karpaten umfasst die traditionellen Musikformen der Karpatenregionen Polens, Rumäniens, Serbiens, Ungarns, der Slowakei und der Ukraine. Der Begriff bezeichnet keinen einheitlichen Musikstil, sondern einen von der vergleichenden Volksmusikforschung konstituierten Untersuchungsraum. Die Repertoires der beteiligten Sprach- und Ethniengruppen weisen über die Staatsgrenzen hinweg zahlreiche Übereinstimmungen auf, die auf jahrhundertelangen Kontakt, Transhumanz und Mehrsprachigkeit zurückgeführt werden. 1
Begriffliche Grundlagen
In der Forschungsliteratur sind zwei Raumbegriffe zu unterscheiden, die häufig verwechselt werden. Der Karpatenbogen bezeichnet das Gebirge, welches sich von den Kleinen Karpaten bei Bratislava über die Beskiden, die Waldkarpaten und die Ostkarpaten bis zu den Süd- und Westkarpaten in Rumänien erstreckt. Das Karpatenbecken (ungarisch Kárpát-medence) bezeichnet das von den Karpaten umschlossene Tiefland einschließlich der Pannonischen Tiefebene. In der seit den 1950er Jahren etablierten Forschungstradition erscheint der Karpatenraum regelmäßig gemeinsam mit dem Balkan als zusammenhängendes Untersuchungsgebiet. Philip V. Bohlman betont, dass eine Aufteilung der Musikrepertoires entlang des Karpatenbogens in nationale Stile kaum möglich sei. Die Staatsgrenzen hätten die Entstehung gemischter Stile nicht verhindert, so etwa in den russinischen Musiktraditionen beiderseits der slowakisch-ukrainischen Grenze. 1
Die walachische Kolonisation
Ein in der Forschung verbreitetes Erklärungsmodell führt einen Teil der überregionalen Gemeinsamkeiten auf die sogenannte walachische Kolonisation zurück. Zwischen dem 14. und dem 17. Jahrhundert breiteten sich Hirtengruppen mit einer spezifischen Form der Transhumanz und mit „walachischem Recht“ von den Ostkarpaten nach Nordwesten bis in die Mährische Walachei aus. Mit ihnen verbreiteten sich Hirtenterminologie („Karpatismen“), Weidepraktiken sowie Instrumente und Melodietypen der Hirtenmusik. Der Umfang des musikalischen Austauschs lässt sich nicht sicher belegen. Melodien und Traditionen wanderten zwischen rumänisch-, ungarisch-, slowakisch-, polnisch- und ostslawischsprachigen Gruppen sowie zwischen diesen und der Bevölkerung der Roma, Deutschen und Juden. Die umherziehenden Musikanten der Regionen und Migrationsbewegungen wirkten dabei als wesentlicher Übertragungsweg. Daher ergeben sich regionale Besonderheiten, wie z. B. die Musik in Podhale, die musikalisch den übrigen Karpatenregionen nähersteht als der Volksmusik des polnischen Tieflands. 1
Brüche im 20. Jahrhundert
Die Koexistenz der verschiedenen ethnischen und religiösen Gruppen und Musiktraditionen wurde im 20. Jahrhundert mehrfach gewaltsam unterbrochen. Die jüdische Community der Karpatenregion wurde im Holocaust nahezu vollständig vernichtet. Die Lemken wurden 1945/46 in die Ukrainische SSR umgesiedelt und 1947 in der Aktion Weichsel aus dem polnischen Karpatenraum nach Nord- und Westpolen deportiert. Kollektivierung, Abwanderung und der Rückgang der Weidewirtschaft entzogen der Hirtenmusik zugleich ihren funktionalen Kontext, während teilweise staatlich geförderte Folkloreensembles Musik in bearbeiteter Form weiterführten. 1
Tonalität und Skalen
Zentrale Gemeinsamkeiten von Instrumental- und Vokalstücken sind die Melodieführung (z. B. Ostinato-Melodien), spezielle Akkordfolgen (z. B. c-Moll / f-Moll / g-Moll / G-Dur), Akkordbrechungen (Brechungsmelodik) und Synkopen, Polyphonie im Gesang und parallele Zweistimmigkeit in der Instrumentalisierung. Bisweilen gibt es Stücke mit langen, tranceartigen, improvisierten Instrumentalpassagen. Neben äolischen, dorischen und mixolydischen Bildungen sowie pentatonischen Schichten im ungarischsprachigen Bestand ist für den Westkarpatenraum die sogenannte Podhale-Skala (auch „Goralen-“ oder „Walachen-Skala“) kennzeichnend: eine siebenstufige Skala mit erhöhter vierter (lydische Quart) und erniedrigter siebter Stufe. Sie ergibt sich naturtonbedingt aus dem Spiel auf grifflochlosen Hirteninstrumenten wie Trombita und Obertonflöte und prägt das Hirtenrepertoire in Podhale, der Orava, der Zips und der Liptau. Die Akkordbegleitung der Streicherkapellen folgt Stufenverbindungen, nicht festen absoluten Tonarten. Verbreitet sind Wechsel zwischen Grundstufe, Quart- und Quintstufe sowie Dur-Quintstufen über moll-basierter Melodik. 1
Instrumente und Besetzungen
Zu den wichtigsten Instrumenten, die teilweise zur Standardinstrumentalisierung der nationalen Volksmusiktraditionen gehören, zählen Geige, Bratsche, Kontrabass, Koboz, Blasinstrumente, z. B. Sopilka, Panflöte, Fujara, Trembita, Tilincă und andere Flötenarten, Zymbal, Maultrommel, verschiedene Schlaginstrumente, Dudelsack und Akkordeon. 1
The text above is adapted from the Wikipedia article “Volksmusik in den Karpaten”, available under the Creative Commons Attribution-ShareAlike 4.0 licence. 1
Karpatenländische Volksmusik is recorded in open cultural data. The structured record cited below does not describe the practice, and this entry has not yet been reviewed by a person familiar with the tradition. 2