The tradition & historical record
5 min read · 2 sourcesLesen ohne Atomstrom ist ein nicht-kommerzielles, internationales Literaturfestival, das seit 2011 jährlich im Frühjahr in Hamburg stattfindet und zudem über das Jahr verteilt Literaturveranstaltungen zu gesellschaftlichen und politischen Anlässen anbietet. Bei dem Festival engagieren sich Schriftsteller und Künstler gemeinsam für die Beschleunigung des Atomausstiegs und für die Energiewende. 1
Geschichte
Gegründet wurde Lesen ohne Atomstrom Ende 2010 gemeinsam von Autoren und Lesern, unter anderem von den Schriftstellern Feridun Zaimoglu, Nina Hagen und Günter Grass, Fernsehjournalist Oliver Neß und Medienunternehmer Frank Otto. Seither wird Lesen ohne Atomstrom von einer Bürgerinitiative und dem gemeinnützigen Verein Kultur für alle! e. V. organisiert. Die ersten Lesungen mit Nina Hagen und Günter Grass fanden im April 2011 vor dem Atomkraftwerk des Unternehmens Vattenfall in Krümmel bei Hamburg statt. Grass las aus Mein Jahrhundert die Erzählung für das Jahr 1955, in der ein Mann, Abteilungsleiter im Katasteramt, aus Atomfurcht im Garten einen Schutzraum baut und dabei ums Leben kommt. In acht Jahren waren bei 73 Veranstaltungen mehr als 30.000 Zuschauer, die Zuschauerauslastung beträgt jedes Jahr deutlich über 100 Prozent. Die Gründung des Literaturfestivals war die Reaktion auf die Vattenfall Lesetage des Energieversorgers Vattenfall, die von der Hamburger Landesregierung unterstützt wurden. Das Unternehmen setzt auf Atom- und Kohlekraft. Für sein Kultursponsoring wurde es kritisiert. Schirmherr 2012 von Lesen ohne Atomstrom war Jakob von Uexküll, Begründer des Right Livelihood Award. Aus der öffentlichen Kontroverse um die Vattenfall-Lesetage gründeten sich die Erneuerbaren Lesetage, der Namenszusatz von Lesen ohne Atomstrom, als Festival der Künstler und Autoren. 2013 kam es zu einem Eklat, als die Kuratorin der Vattenfall-Lesetage versuchte, Lesen ohne Atomstrom als linksradikal zu diskreditieren. Beispielsweise schrieb sie an Jakob Augstein: „Das Bündnis aus autonomen Aktivisten, Öko-Saft-Produzenten und Fernseh-Promis tritt an, ein Literaturfestival dem Boden gleichzumachen. 1
Konzept
Bei Lesen ohne Atomstrom gibt es keine klassischen Lesungen, bei denen ein Autor aus seinem Buch vorträgt. Vielmehr präsentiert das Festival gemeinsam mit Schriftstellern, Dramaturgen und Schauspielern stets eigene Arrangements von Literatur mit dafür zusammengestellten Künstler- und Autorenensembles – so werden Literaturklassiker oder aktuelle Bestseller als szenische Lesungen arrangiert und von Schauspielern dargeboten. Ebenso treten Schriftsteller gemeinsam auf, um ihre Werke und gesellschaftliche Themen zu diskutieren. So waren bei Lesen ohne Atomstrom Nobelpreisträger wie Swetlana Alexijewitsch oder Günter Grass dabei, Grammy-Preisträger Thomas Quasthoff ebenso wie zahlreiche Film- und Rockstars, UN-Diplomaten und Bestseller-Autoren. Für Lesen ohne Atomstrom kommen Autoren aus aller Welt nach Hamburg wie Japans Ex-Premier Naoto Kan aus Tokio, Auma Obama aus Nairobi, Wikileaks-Mitbegründerin Birgitta Jónsdóttir aus Reykjavík oder der Ökonom Dennis Meadows (Die Grenzen des Wachstums) aus Boston. Insgesamt sind in acht Jahren rund 300 Autoren und Künstler für Lesen ohne Atomstrom aufgetreten, in den ersten fünf Jahren honorarfrei, seit 2016 bieten die Organisatoren jedem Kulturschaffenden eine Aufwandsentschädigung an. Der Großteil des von Förderern bereitgestellten Etats wird für Festival-Werbung und seine Forderung nach einem beschleunigten Atomausstieg verwendet. Jährlich organisiert der Verein Kultur für alle eine Werbekampagne mit bis zu einer halben Million Programmheften als Beilagen von Tages- und Wochenzeitungen, Tausenden Plakaten im Straßenbild und großformatigen Zeitungsanzeigen. 1
Finanzierung
Lesen ohne Atomstrom ist ein nicht-kommerzielles Festival und versteht sich als politische Aktion der Zivilgesellschaft. Der Eintritt ist frei. Der Kultur für alle! e. V. verzichtet auf staatliche und städtische Förderung. Parteien und parteinahe Stiftungen sind von der Beteiligung ebenfalls ausgeschlossen. Sie alle stünden laut Veranstalter in einem engen Verhältnis zur Atomlobby. Der Festivaletat wird größtenteils von stillen Förderern bereitgestellt. Den immateriellen Beitrag leisten mehrere Dutzend Bürger und Unternehmen. Theater, Veranstaltungszentren oder Fußballprofiklubs wie Hamburger SV und FC St. Pauli stellen ihre Häuser mietfrei für Lesen ohne Atomstrom zur Verfügung. 1
Herausgeberschaften
Lesen ohne Atomstrom betätigt sich gelegentlich als Herausgeber beziehungsweise als Mitherausgeber, so geschehen bei: 1
Inside Fukushima des investigativen Journalisten Tomohiko Suzuki, mit einem Vorwort von Günter Wallraff sowie einem Nachwort von Sebastian Pflugbeil (Mitherausgeberschaft) Act now! Reflexionen in existenziellen Zeiten mit Essays von Swetlana Alexijewitsch, Dennis Meadows, Ai Weiwei, Martin Rees, Autorin Tima Kurdi, Behrouz Boochani, Jan Ilhan Kizilhan, Mojib Latif, Vandana Shiva, Friedensaktivist Akira Kawasaki, Eckart von Hirschhausen, Daniel Dahm, Beate Klarsfeld, Luc Jochimsen, Jean Ziegler, Fürst Albert II. (Monaco), Hanna Poddig, den Seenotrettern Pia Klemp und Dariush Beigui, Ugandas Fridays-for-Future-Gründerin Hilda Nakabuye und ihrer Berliner Mitstreiterin Franziska Wessel, Boualem Sansal, Graeme Maxton, Ole von Uexküll, Leoluca Orlando, Donatella Di Cesare und Parwana Amiri, geflüchtet aus Afghanistan und ehemalige Insassin des Lagers Moria. “Grenzenlose Gewalt” Der unerklärte Krieg der EU gegen Flüchtende vom Autorinnenkollektiv Meuterei mit einem Nachwort von Donatella Di Cesare "AUS!" Eine historische Bewegung und die Kultur des Widerstands. Ziviler Ungehorsam schaltet Deutschlands Atomkraft AUS! Aufgeschrieben von Wolfgang Ehmke, Hanna Poddig, Carola Rackete, Wladimir Sliwjak, Eva Stegen, Henning Venske und Detlef zum Winkel. 1
Weblinks
Website 1
The text above is adapted from the Wikipedia article “Lesen ohne Atomstrom”, available under the Creative Commons Attribution-ShareAlike 4.0 licence. 1
Lesen ohne Atomstrom is recorded in open cultural data. The structured record cited below does not describe the practice, and this entry has not yet been reviewed by a person familiar with the tradition. 2
The source record links this tradition to 1 external register, which can be verified through the citation. 2