The tradition & historical record
4 min read · 2 sourcesDer Tag des Seto-Königreichs (estnisch Seto Kuningriigipäev) ist ein alljährlich am ersten Samstag im August stattfindendes Volksfest der Setukesen, einer kleinen orthodoxen Minderheit im estnisch-russischen Grenzgebiet. Der Tag wird auf der estnischen Seite der Grenze gefeiert. Er dient vor allem der Pflege der setukesischen Traditionen und der Seto-Sprache, einer Varietät des Estnischen. Die Initiative entstand nach dem Ende der Sowjetunion und der estnischen Unabhängigkeit 1991. Kern der Feierlichkeiten ist die symbolische Ausrufung eines eigenen „Seto-Königreichs“ (Seto-Kuningriik) mit eigenen Gesetzen, eigener Währung und eigenem Heer. 1
Hintergrund
Personifzierte Nationalfigur der Setukesen ist König Peko. Der Legende nach ruht Peko in einer Sandhöhle unter dem orthodoxen Mariä-Entschlafen-Höhlenkloster von Petschory (estnisch Petseri, deutsch Petschur), dem historischen geistlichen Zentrum der Setukesen. Peko wurde als literarische Gestalt erst im 20. Jahrhundert eingeführt. 1927 bat der Volkskundler Paulopriit Voolaine (1899–1985) die des Schreibens unkundige setukesische Volkssängerin Anne Vabarna (1877–1964), nach einer von ihm skizzierten Handlung ein Nationalepos zusammenzustellen – ähnlich wie zuvor bereits das Kalevipoeg für die Esten und das Kalevala für die Finnen aus Volksdichtung zusammengestellt worden war. Vabarnas Sohn schrieb die etwa 8000 Verse ihres Vortrags nieder; veröffentlicht wurde das Epos „Peko“ jedoch erst 1995, in Kuopio (Finnland). Das Gebiet um das Kloster war vom Ende des Ersten Weltkriegs bis zur sowjetischen Besetzung Teil der Republik Estland und wurde in der Sowjetunion an die Russischen SSR übertragen. Heute ist es Teil Russlands, daher kann Peko seine symbolische Herrschaft über die Setukesen nicht antreten. Als Teil der Feierlichkeiten wird daher für ein Jahr ein irdischer Stellvertreter, der Ülemsootska (setukesisch Ülembsootska) in einer demokratischen Wahl bestimmt. Die Idee zu einem Volksfest geht auf den Folkloristen Paul Hagu (* 1946) aus Meremäe zurück, der bei einer Reise nach Norwegen die dortige, von den sogenannten Waldfinnen alljährlich für drei Tage ausgerufene „Waldfinnen-Republik“ mit eigenem Präsidenten, eigener Regierung und Visumpflicht kennenlernte und sich ein vergleichbares Fest für die Setukesen wünschte. Gemeinsam mit dem setukesischen Aktivisten Aare Hõrn und weiteren Mitstreitern setzte er die Idee in die Tat um. Am 20.